Motorrad fahren – Technische Grundlagen…

Stellen wir mal die blödeste aller Fragen: Was genau sind eigentlich Motorräder?

Nein, die Frage ist bewusst nicht die nach der Lebenseinstellung, ewiger Liebe, dem Gefühl von Freiheit, der inneren Rebellion gegen Dosenkutschen oder dem aufkommen des eigenen, zweiten frühlings… Aber hier geht es tatsächlich um „Blechdosen“…

Objektiv mit dem Auto verglichen, könnte man es etwas so ausdrücken:

  • Der Hubraum eines Motorrades entspricht dem eines Kleinst-PKW
  • Die PS-Leistung ist vergleichbar mit der eines Mittelklasse-Wagens
  • Der Top-Speed liegt gerne mal oberhalb des Niveau eines Sportwagens
  • Beschleunigung? Abartig – Steig mal in einen Rennwagen!

Würdest Du so nicht unterschreiben? Niemand sagt, das Du falsch liegst!

Aktuelle Moppeds verschieben diese Tabelle noch mal etwas, denn eine japanische Literschüssel bringt es dabei durchaus schon mal auf 200 PS – Null auf 100 in 2,5 Sekunden hier sind durchaus drin – und (für deutlich weniger Kohle…) dabei auf Formel1-Niveau

Ein aktueller Cruiser, wie die neue Kawasaki Z900 hat 125PS bei gerade mal 210 Kilo zu bieten – Das sind in etwa 0,6 PS pro Kilo – und ist damit schon recht flott unterwegs…

Zum Vergleich:
Ein PKW müsste bei gleicher Übersetzung und einem Durchschnittsgewicht von 1950Kg. etwa 1100PS auf die Straße drücken, um bei so einer Beschleunigungsorgie dran zu bleiben – In einem Mercedes Kombi wohl kaum zu erwarten 🙂

Allerdings hat das Leben als Biker nicht nur die Sonnenseite 🙁
Die teils irre hohe Leistung und die manchmal doch recht komplexe Fahrphysik haben ihren Anteil an der häufigen Selbstgefährdung gerade unerfahrener Piloten.
Wer denkt, das er früher schon Fahrrad fahren konnte und die Erfahrungen aus seiner Mofa-Gang-Zeit ausreichen, damit so ein Bike locker von der Hand geht – Ja, für den wird die Luft sehr schnell verdammt dünn…

Auch eben jene Gesetze, welche beim Auto fahren ihre unumstößliche Richtigkeit haben, können nur in sehr klaren Situationen auf das Motorrad übertagen werden.
Deutliche Unterschiede ergeben sich dann gerne bei kritischen Situationen in Kurven – oder einfach bei der Fahrt im Grenzbereich.

Motorrad im Grenzbereich (Quelle: pixabay.com)

Motorrad im Grenzbereich (Quelle: pixabay.com)

Was heißt das jetzt genau???
Motorräder bauen erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit genug Kreiselkräfte auf, um von sich aus stabil zu fahren. Bei niedrigen Geschwindigkeiten befindet sich das Zweirad also im so genannten Kenterbereich.
Das Beherrschen dieses Kenterbereichs unterscheidet dann auch die erfahrenen von den weniger erfahrenen Piloten – Sehr gut daran zu beobachten, wie lange man die Füße beim ansteuern einer roten Ampel auf der Raste halten kann…

Noch etwas zum Vergleich zwischen PKW-Steuer und Motorradlenker:
Bei normaler Fahrt wird der Lenker kaum bewegt.
In einer Kurve, in der man im Auto das Lenkrad um knapp 45 Grad drehen würde, erfolgt auf dem Motorrad eine Lenkbewegung zwischen 0,5 und 0,8 Grad. Auf der Autobahn sind Bewegungen über 0,2 Grad die absolute Ausnahme. Motorräder werden mit dem Körper gefahren, nicht mit den Händen – allerdings nicht alleine durch Gewichtsverlagerung, wie viele glauben.
Mehr dazu im Bereich „Fahrphysik“.